Hubert Kötting wurde am 14. Februar 1869 in Bühling/Neustadt-Wied geboren und war Bautechniker und später auch als Architekt tätig.

1900 entwarf er das Haus Darler Heide 2, und 1901 das Haus Cranger Straße 194. 1901/1902 errichtete er sein Wohnhaus in der St.-Barbara-Straße 6 im Ortteil Erle. Köttings Haus stand hier zuerst. Der Architekt errichtete sein sehr geschmackvolles und dezentes Einfamilienhaus hinter einem schmiedeeisernen Vorgartenzaun. Die geschnitzte Haustüre erreichte man über eine Außentreppe von der Seite her. Sie war ein echtes Kunststück schreinerlicher Holzarbeit.

Kötting hat wohl die meisten Erler Häuser zwischen 1900 und 1930 konzipiert. An der St.-Barbara-Straße stammen alle aus seiner Künstlerwerkstatt. 1907 wurde das Haus Seitenstraße 7 für die Familie Willskamp von ihm entworfen. Darüber hinaus entwarf er bedeutende und markante Erler Eck-Gastwirtshäuser: Strohmann an der Cranger Straße, Drosde an der Cranger Straße Ecke Middelicher Straße, Wieschen an der Adenauerallee, der Westfalenhof an der Ecke Neustraße/Heistraße, Lausberg (Bartussek) an der Ecke Schievenstraße/Gartmannshof, die alle zwischen 1911 und 1914 entstanden. 1923/25 gab es an der Heistraße in einer Zeit der Depression mit den Häusern Sulzbacher/Wattenberg eindeutige Akzente. 1927 verwandelte er die alten Hochparterre-Häuser vom Textilhaus Strangemann und Schuhhaus Hans Göbel in große, moderne Geschäfte. 1927 auch gab er der zu klein gewordenen St. Barbara-Kirche ihre großzügige Basilika-Struktur. Insgesamt sind es ca. 40 Gebäude die von Kötting in Erle entworfen wurde.

Seine städtebaulichen Erfahrungen stellte Kötting der Stadt Buer ab 1911 zur Verfügung. Die Erler wählten ihn als einen ihrer Vertreter ins Kommunalparlament.

Hubert Kötting, der verheiratet war und vier Töchter und einem Sohn hatte, verstarb am 6. Oktober 1949 im Alter von 80 Jahren.

Entworfene Häuser -unvollständige Liste-

Fotos zu den Gebäuden findet ihr hier !

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Wann Erle bebaut wurde

Vorgeschichte:
Die Belegschaft des Gesamtbergwerkes Graf Bismarck betrug

1885 : 320 Arbeiter und Angestellte und
1913 : 5.525 Arbeiter und Angestellte

Diese Menschen strömten mit ihren Familien in eine weitgehend leere Landschaft ein.
Damit sie überhaupt existieren konnten, wurden Handwerker und Kaufleute, Ärzte usw. gebraucht.
Das Amt Buer ließ 1895 seine Einwohner zählen und demnach gab es 4.483 Einwohner in Erle. 1900 wohnten in Erle schon 11.498 Menschen , das ist ein plus von 7.015, und 1910 waren es bereits 18.400 (+ 6.902 ). 1915, vor Ausbruch des 1. Weltkrieges,
waren es dann 21.200 Menschen. Zum Vergleich: 2010 waren es 26.434.
Aber wo kamen die Menschen überhaupt her? Es gab 1895 eine Volkszählung, und danach setzte sich die so zusammen:

    einheimische Erler 4,1 %
    Bueraner 0,2 %
    Gelsenkirchener 4,3 %
    aus Nachbargemeinden 4,5 %
    Ostpreußen 56,3 %
    Westpreußen 12,3 %
    Posen 6,6 %


Dazu kamen noch starke Gruppen aus dem Sauerland, aus Hessen, dem Hunsrück und aus Westfalen . Zum Vergleich: Die Belegschaft der Zeche in der Zeit 1883-1906 kam zu 90% aus Ostpreußen.

Nachdem 1888 die erste Zechen-Kolonie gebaut war, entwickelte sich regelrechter Bauboom im privaten Bereich, allerdings ohne viel System. Wer ein Grundstück besaß, galt bereits als potentieller Bauherr. Wer größere Felder oder Wiesen besaß baute im Einverständnis mit der Gemeinde Buer auf eigene Kosten eine Straße, ließ das Land zu beiden Seiten parzellieren, verkaufte einen Teil des erschlossenen Grundstücks und baute von deren Erlös
selbst einige eigene Miethäuser.
So sind zb. 1897 an der Darler Heide 87 Bauplätze verkauft worden und 1900/1901 erwarben Heinrich Weber und Th. Möllers die heutige Bruktererstraße.
Alle Straßen in dieser Zeit waren Privatstraßen die erst nach 5 Jahren in die Gemeindeunterhaltung übergingen.

Die ersten Wohnhäuser die gebaut wurden war die der Kleine Kolonie , die der Kötter Wilhelm Klaphecke bereits 1887 errichten ließ. Erst 1888 baute dann die Zeche Graf Bismarck die Häuser an der Auguststraße.
Ebenfalls 1888 baute ein Herr Linden das Haus Cranger Straße 352, die spätere Gaststätte Lindenhof in unmittelbarer Nähe der Auguststraße .
1889 wurde die Gaststätte Wilhelmstraße 44 vom Gastwirt Aldenhof erbaut (später Talarek).
Ab den 1890 begann dann ein richtiger Bauboom. So baute die Gemeinde Buer ein Polizeidienerhaus in der Schulstraße 18 , das zu späteren Zeiten auch als Gefägniss gedient hat.
1891 entstanden die Häuser Darler Heide 30, das heutige Hotel Kläsener und Cranger Straße 286 von Carl Gebh. 1892 baute Heinrich Hütte Heistraße 70 und Paul Hauffe das Haus Frankampstraße 79.


1893 wurden folgende Häuser gebaut:
*  Cranger Straße 314 von Herrn Kleinebudde
*  Cranger Straße 348 von dem Bergmann P. Honert
*  Cranger Straße 310 baute Göttke sein 1. Haus
*  Frankampstraße 86 vom Gastwirt Ernst Jacob
*  Mittelstraße 13  von Michael Robatzek
*  und die Häuser Darler Straße  3 und 5.

1894 von Passmann das Haus Oststraße 3 .

1895 baute der Bergmann Lange Cranger Straße 300 und das Direktorenhaus der Zeche Graf Bismark,Cranger Straße 228, wurde von Gregor Jobst gebaut. Ebenfalls 1895 wurden folgende Gebäude errichtet:
*  Cranger Straße 316, die 1. Erler Post gebaut von errichtet Carl Hagemann
*  Bahnstraße  4-6-8 vom Gastwirt Ernst Jakob
*  Waldstraße  7 u. 13 von Ignaz Krack
*  Heistraße 5
*  Darler Heide 32
*  Darler Straße 13 vom Bergmann Lindemann
*  Darler Straße 16+18 durch den Bergmann Johann Kolakowski

1896
* Cranger Straße 277 durch Heinrich Heitjohann
* Cranger Straße 238 durch Clemens Wiegand
* Cranger Straße 294 durch Wilhelm Reichenberg
* Cranger Straße 298 durch Göttke
* Darler Heide 44 vom Schreiner Schlebusch
* Darler Heide 23
* Frankampstraße 85
* Mittelstraße 16 vom Bergmann Michael Dominski

ebenfalls 1896 wurde von der Zeche Graf Bismarck die Kolonie Karlstraße  gebaut, die aber nicht mehr vorhanden ist.
 

1897
* Borgswiese  9 + 11 Pollert
* Cranger Straße 315 Egon Schauff (heute Tertel)
* Cranger Straße 296 die Apotheke Fuchsius
* Cranger Straße 305 Konditor Buthe, das später von Neuking übernommen wurde

1898
* Cranger Straße 216
* Cranger Straße 319 Johann Bruhs
* Cranger Straße 236 Maurer Christian Wiegand
* Cranger Straße 239 + 241 Wolf
* Cranger Straße 275 Joh. Neukirchen
* Cranger Straße 306-304 Kaufmann Strangemann
* Mittelstraße 12 Schuster Max Menzel

In den Jahren 1898 bis 1900 errichtete die Zeche Graf Bismarck in der Bahnstraße eine Arbeitersiedlung.

1899
* Cranger Straße 156 Vollmer
* Cranger Straße 292 Uhrmacher Brecklinghaus
* Cranger Straße 311
* Schulstraße 7 Carl Hagemann

1900
* Darler Heide 2 Carl Gebh
* Darler Straße 11 die Restauration zum Markt G. Rommeswinkel
* die Häuser in der Manusstraße wurden durch einem Unternehmer Grothoff aus Löchter gebaut, die er anschließend an Bergleute verkaufte.

1901
* Angelnstraße 1 Haus Achenbach
* Cranger Straße 194 H. Frenzer, Wirt
* Cranger Straße 196 Bergtagelöhner Heinrich Kriens
* Cranger Straße 236
* Frankampstraße 94 bis 98 baute Paul Hauffe in der zeit von 1901 bis 1906
* Heistraße 3 Bauunternehmer Scholtholt
* St. Barbara Straße 6 Hubert Kötting
* Brukterer Straße 2 Franz Weber

1902
* Baldurstraße 21 u. 23
* Brukterer Straße 17, 19, 21 Phillip Lang
* Cranger Straße 276 Clemens Kläsender
* Cranger Straße 284 + 286 Carl Gebh
* Cranger Straße 361 Freienstein
* Friedenstraße 7
* St. Barbara Straße 4 Phillip Lang
* Kannenstraße 8-10-14

1904
* Baldurstraße 18
* Brukterer Straße 9, 16, 11 und 13
* Frankampstraße 180 Wohnhaus für Bedienstete der Reichspost
* Cranger Straße 321 Johann Bruhs und
* das Elisabeth Krankenhaus  wird eröffnet.

1905
* Angelnstraße 23 Otto Druba
* Brukterer Straße 12 Franz Weber
* Cranger Straße 257 die Erler Post, erbaut durch Gregor Jobst
* Cranger Straße 274a das Pfarrhaus der Kirche St. Barbara
* Münsterstraße 90 Johann Kläsener den Gasthof Forsthaus
* St. Barbara Straße 14 Phillip Lang

1906
* Brukterer Straße 18-22 Bauunternehmer Scholtholt
* Cranger Straße 240 Chistian Wiegand,die heutige Gaststätte Tiemann, Architekt war Gregor Jobst
* Cranger Straße 249-255, Architekt der Häuser war wieder Gregor Jobst
* Darler Heide 44 Carl Gebh
* Frankampstraße 80
* Friedenstraße 6 u. 8 Gregor Jobst
* Neustraße 18 u. 24
* Seitenstraße 11
* Brukterer Straße 18-22 Bauunternehmer Scholtholt
* Cranger Straße 240 Chistian Wiegand,die heutige Gaststätte Tiemann, Architekt war Gregor Jobst
* Cranger Straße 249-255, Architekt der Häuser war wieder Gregor Jobst
* Darler Heide 44 Carl Gebh
* Frankampstraße 80
* Friedenstraße 6 u. 8 Gregor Jobst
* Neustraße 18 u. 24
* Seitenstraße 11

1907
* In der Kronprinzenstraße 20 baute im Hinterhof der Ostpreußischer evangelischer Gebetsverein sein Gebetshaus
* Seitenstraße 7 Wilkskamp
* Wilhelmstraße 82a

1908
* Angelnstraße 9

1909
* Cranger Straße 262 Wembken
* Marktstraße 26

ab 1910 wurden durch die Zeche Graf Bismarck die Ilsegasse, Rudelgasse, Franzisstraße, Springbachgasse und der Hedwigplatz gebaut, die alle zu der Bismarck-Siedlung gehören.
Das 2. große Bebauungsgebiet der Zeche enstand zu dieser Zeit im Schievenviertel .
Mit dem Bau der Schächte der Zeche Graf Bismarck Bismark steigt die Bevölkerungszahl Erles rapide an und so wurde es auch nötig Kirchen und Schulen zu bauen.
Am 5.11.1892 wird die vom Münsterschen Architekten Hertel St. Barbara Kirche , zunächst als Notkirche eingeweiht, die aber bald zu klein wird und 1896 vergrößert wird. Das alte Chor wird abgebrochen, an das Langhaus ein großes Querschiff mit zwei zusätzlichen Jochen sowie ein ausgedehnter neuer Chorraum angebaut.
Die evangelische Dreifaltigkeitskirche  wird 1902 bis 1903 neu errichtet.


1890 wird die evangelische Volksschule I, die Regenbogenschule  an der Schulstraße gebaut.
1898 die evangelische Volksschule (Salzmann Schule) in der Neustraße.
1901 die Evangelische Volksschule III (von-Gahlen-Schule) , heute Grundschule an der Heistraße
und sei seit 1910 die Evangelische Volksschule (Astrid-Lindgren-Schule)  in der Heinrichstraße.

1911
* Heistraße 96, der ehemalige Westfalenhof

1912
* Schievenstraße 33 Bauherr: Lausberg (ehemalige Gaststätte)

1913
* Cranger Straße 299 Bauherr Strohmann, heute Gaststätte Strohmann

1914
* Adenauerallee 135 Bauherr Wieschen, heute Gaststätte Haus Wieschen
* Wilhelmstraße 21 Stangenberg und Wilhelmstraße 28

In den 1920er Jahren gab es dann Bautätigkeiten im Bereich des Siedlungsbaus, so wurden folgende Straßen bebaut.

1921/1922
* Die Nordstraße  und die Südstraße durch die Bergmannssiedlung Bottrop-Buer-Gladbeck GmbH mit insgesamt 102 Wohnungen.

1927
* Am Wildgatter  und Im Hirschwinkel  durch die Ruhr-Lippe-Siedlungs GmbH
* Am Schäperskotten  durch den Gemeinnützige Bauverein AG Essen

Fotos zu den Gebäuden findet hier hier !

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Der Wohnungsbau durch die Zeche Graf Bismarck

Vorgeschichte
Mit der Entwicklung und Ausweitung der Werksfürsorge, welche die Zechenleitung der Zeche Graf Bismarck  angedeihen ließ, war die Beschaffung gesunder und billiger Wohnungen Hand in Hand gegangen. Die ersten Werkswohnungen wurden bereits im Jahre 1869 errichtet. Es waren fünf Arbeiterhäuser an der Josefinenstraße .
In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der Werkswohnungen mit dem Anwachsen der Belegschaft ständig zu.
Zum Bereich der Schachtanlage 1 gehörten am 1. Januar 1952 983 Werkswohnungen, die von 771 Belegschaftsmitgliedern und ihren Angehörigen, 175 Invaliden und Witwen und 37 Werksfremden bewohnt wurden. Außerdem beherbergten diese Wohnungen noch weitere 83 Belegschaftsmitglieder, 33 Invaliden und Witwen und 5,8 Werksfremde als Untermieter, insgesamt 3710 Personen.
Eine geschlossene Siedlung steht in unmittelbarer Nähe des Zoos mit 323 Wohnungen. Die Straßen Ehmsen-, Kneebusch-, Hölderlin-, Kolb-, Kleinemscher- und Knippinckstraße sind ausschließlich mit Zechenhäusern bebaut.
Die anderen Wohnungen befanden sich in unmittelbarer Nähe der Schachtanlage 1/4. Hier handelt es sich um die Straßen: Im Sundern, Josefinen-, Uechting-, Caub- und Parallelstraße . Von diesen Straßen war die Parallelstraße mit Ausnahme von zwei Häusern und die Straße Im Sundern  ganz mit zecheneigenen Häusern bebaut.
Die älteren Häuser befanden sich in der sogenannten Kutschergase (Teil der Parallelstraße), die im Jahre 1847 gebaut wurde. Die anderen Häuser folgten in den Jahren 1875, 1877, 1880 und 1838. Die Häuser im Sundern wurden, wie auch der größte Teil der Zechenhäuser in der Josefinenstraße, im Jahre 1925 errichtet. Die Kolonie am Zoo wurde im 1915 zunächst als Lager für gefangene Russen errichtet und 1919/20 zu einer geschlossenen Kolonie ausgebaut. Diese Kolonie wurde im Jahre 1941 um acht Häuser und im Jahre 1951 um sieben Häuser erweitert.

Zur Schachtanlage 2 gehörten 1222 Werkswohnungen, die von 956 Belegschaftsmitgliedern und deren Angehörigen, 253 Invaliden und Witwen und 13 Werksfremden bewohnt werden. Dazu kamen noch als Untermieter 208 Belegschaftsmitglieder, 121 Invaliden und Witwen und 50 Werksfremde, insgesamt 5300 Personen.
Die Wohnungen befanden sich alle im Stadtteil Erle. Die Kolonie gegenüber dem Forsthaus (Forsthaussiedlung) mit 430 Wohnungseinheiten bildete eine geschlossene Siedlung, deren Straßen ausschließlich mit zecheneigenen Häusern bebaut wurden.
1946 wurden an der Schachtanlage 2 einige Behelfsheime und 1947 zwanzig Nissenhütten errichtet. An der Wilhelmstraße wurden 1948 sechs Mehrfamilienhäuser erstellt.

Die Zahl der Werkswohnungen der Schachtanlage 3 belief sich auf 872 Wohnungen, in denen 613 Werksangehörige mit ihren Angehörigen, 221 Invaliden und Witwen und 38 Werksfremde untergebracht waren. Dazu kamen noch als Untermieter 98 Belegschaftsmitglieder, 40 Invaliden und Witwen und 68 Werksfremde, insgesamt 3630 Personen.
Die Schievensiedlung mit 392 Werkswohnungen in der Allee-, Steiger- und Schievenstraße sowie Wetterweg kann als geschlossene Siedlung bezeichnet werden, die ganz aus werkseigenen Häusern bestand.

Zum Bereich der Schachtanlage 7 gehörten 118 Werkswohnungen, die mit 106 Belegschaftsmitgliedern und deren Angehörigen, 9 Invaliden und Witwen und 3 Werksfremden bewohnt waren. Außerdem wohnten hier noch als Untermieter 15 Werksangehörige, 3 Invaliden und Witwen und 3 Werksfremde, insgesamt 370 Personen.

Die in der Wiedhopfstraße  und Neuer Weg im Jahre 1913 und 1934
gebauten Beamtenwohnungen wurden im Jahre 1950 um drei weitere Neubauten für Angestellte vermehrt.
Für die Bergleute befand sich im Bereich der Schachtanlage 7 keine werkseigene Siedlung. Die Belegschaft wurde zum größten Teil im Jahre 1931 bei der damaligen Stillsetzung der Schachtanlage 3 von dieser übernommen. In der Mehrzahl wohnten diese Bergleute daher in den Koloniewohnungen der Schachtanlage 3. Während des Krieges war Im Eichkamp  ein Gefangenenlager eingerichtet worden, das 1945 zu 57 Notwohnungen umgebaut und durch zwanzig Nissenhütten erweitert wurde. Diese Unterkünfte konnten aber nur als Notlösung angesehen werden.

Insgesamt verfügten die Bismarck-Schächte in Gelsenkirchen über 3195 Zechenwohnungen, die 13 010 Personen Wohnraum gaben. Hierzu kamen noch die werksverbundenen Wohnungen, in denen weitere Belegschaftsmitglieder mit ihren Angehörigen untergebracht waren:
168 Bergarbeiter-Wohnungen in Erle in den Straßen Im Hirschwinkel und Am Wildgatter.
274 Bergarbeiter-Wohnungen in den Straßen Lindenhof, Klockenbrink und Timpenkamp und
667 Bergarbeiter-Wohnungen in der Resser Mark . Die ersten 300 Wohnungen hiervon wurden im 1944 bezugsfertig, und die übrigen sind in den Jahren 1948 bis 1952 errichtet worden. 1952 bis 1958 wurde die letzte Siedlung mit den Häusern in der Lehenstraße und der Zehntenstraße von der Zeche gebaut.

Für die Unterbringung der zahlreichen auswärtigen Arbeitskräfte, die teils ledig, teils von ihren Familien getrennt waren und als Neubergleute zur Belegschaft stießen, wurde u.a. ein Wohnheim an der Hermannstraße  errichtet, das ständig mit etwa 500 Mann belegt war.

Die Auguststraße 

Die Geburtsstunde der Auguststraße ist der „Baukonsens Nr. 37", mit dem der Amtmann August de la Chevallerie  am 8. Juli 1888 der Zechenverwaltung „Graf Bismarck" die „polizeiliche Genehmigung" für den Bau von acht Doppelwohnhäusern erteilt hat. Diese Häuser wurden in der Mitte der heutigen Auguststraße gebaut. Der Bautyp ist
in seinem äußeren Bild noch heute erkennbar. Es sind Sechs-Familien-Häuser, die in der Literatur als „Dreispänner" bezeichnet werden. Jeweils drei Familien hatten einen eigenen Eingang von der Hofseite. Im Erdgeschoß und in der ersten Etage war in jeder Doppelhaushälfte eine abgeschlossene Dreizimmerwohnung mit einem kleinen Vorraum als Flur. — In diesem kleinen Vorraum installierte man 1954 hinter einer zu diesem Zweck errichteten Wand die Etagentoilette als WC. — Die Dachgeschoßwohnung hatte wegen der schrägen Dachwände einen eingeschränkten Wohnbereich. Die eigentliche Wohnung hatte zwei Zimmer mit Fenstern an der Stirnseite der Häuser und ein kleines drittes Zimmer, das vom Hausflur durch eine Tür zu erreichen war. Spärliches Licht fiel durch eine Dachluke in diesen Raum. Der Hausflur wurde durch ein kleines Fenster im Erdgeschoß, ein größeres im Bereich des Treppenaufganges zum 2. Stockwerk und durch eine Dachluke im 3. Stockwerk erhellt. Mittelpunkt der Dreizimmerwohnung war die Wohnküche, der größte Raum mit cirka 20 qm; die Wohnküche war zur Hofseite gelegen. Durch eine Tür gelangte man in das zur Straßenseite hin gelegene Schlafzimmer. Das kleine Zimmer — stolz das „Dritte Zimmer" genannt — betrat man von dem winzigen Etagenflur; das Fenster
dieses Zimmers lag wie beim Schlafzimmer ebenfalls zur Straßenseite. — Das „Dritte Zimmer" avancierte mit wachsendem Wohnkomfort Ende der fünfziger Jahr einer Art Luxuszimmer, zum eigentlichen Wohnzimmer. Die 28 Häuser der Auguststraße waren in ihrem äußeren Aussehen völlig gleich.

Conzesions Zeichnung der Auguststraße

Die Karlstraße 
Die Karlstraße ist die zweite, um 1896 erbaute Bismarck-Kolonie in Erle. Die Anlage gleicht vollkommen der 1888 bebauten "Großen Kolonie" Auguststraße. An ihr standen 28 sogenannte Dreispänner Im „Erler Stil" mit 168 Wohnungen. Dazu gehörten noch vier kleine Steigerhäuser mit je zwei Wohnungen und Gärten direkt um die Ecke an der Darler Heide. Namensgeber für die Straße war der von 1883 bis 1908 als technischer Leiter tätige Karl Leibold. Erst 1920/21 erfolgte der chausseemäßigen Ausbau der Straße.
Von der ursprünglichen Karlstraße ist heute nichts mehr übrig geblieben. Eine völlige Neubebauung erfolgte in den Jahren 1972 bis 1974.

Die Breite Straße 

Die Breite Straße wurde 1898 bis 1900 ebenfalls im "Erler Stil" gebaut. Dennoch zeigt diese Straße zwei Besonderheiten, die sie von den anderen unterscheidet. Mit ihrer Breite von 20 Metern wirkt sie pompöser als die anderen Straßen, denen nur eine Ausdehnung von 12 Metern zugestanden wurde, und trotz des weitgehend ein­heitlichen Stils gibt es zwei Häusergruppen: Die zechennahen Angestell­tenwohnungen in breiter ,vornehmer Manier und die entfernteren Arbeiter­wohnungen in sparsamer Bauweise. Beide Gruppen sind durch eine lange Quermauer voneinander getrennt, die heute noch auf einer Straßenseite sichtbar ist.

Die Quermauer in der Breitestraße

Die Bahnstraße  wurde ebenfalls in den Jahren 1898/1900 im gleichen Stil wie die vorhergehenden Straße bebaut.

Die Forsthaussiedlung, bestehend aus den Straßen Erigasse, Franzisstraße, Rudelgasse, Ilsegasse, Hedwigplatz, Springbachgasse und Teilen der Cranger Straße, wurde in den Jahren 1910 bis 1913 von der Zeche gebaut. Verantwortlich für die Entwürfe der Häuser und der Gestaltung der Siedlung war der Zechenbaumeister Ernst Hachmann.
Diese Siedlung galt schon 1913 als beispielhaft für den Wohnungsbau für die hart arbeitenden Bergleute, den sie entstand im sogenannten Gartenstadtstil . Alle typischen Merkmale sind dort erkennbar: Kleine verwinkelte Stra­ßen, viele Gärten, viel Grün zwischen den Häusern. Sehr abwechslungsreiche Hausformen, deren Geschoßhöhe zwischen 1 1/2 und 3 Stockwerken variiert und die verschiedenste Wohnungstypen (3 bis 5 Zimmer) auch stockübergreifend anbieten. Stark gegliederte Hausfronten mit Vorbauten, Erkern, Treppentürmen, Tordurchgängen, Fachwerkimitationen und Sitzlau­ben vor den Wohnungseingängen. Eine In ihrer Vielfalt atemberaubende Dächerlandschaft, die jede mögliche Form vom Walmdach bis zum Satteldach enthält. Zu jeder Wohnung gehören Stall und Garten. Die Ställe bilden oft die Verbindung zwischen den Häusern und schließen so Höfe und Gärten gegen die Straße ab.
Mittelpunkt der Siedlung war der Hedwigplatz .

Die in sich geschlossene Siedlung erzeugt ein Gefühl von Intimität und Geborgenheit in einer vertrauten Wohngemeinschaft.
Besonders bemerkenswert ist noch der Häuserblock an der Cranger Straße, zwischen der Eriegasse und der Hermannstraße, die die Forsthaussiedlung zur Cranger Straße abschirmen sollte.

Das Schievenviertel  setzt sich aus der Alleestraße, der Schievenstraße, Steigerstraße, Wetterweg und Teilen der Middelicher Straße zusammen.
Für die Beschäftigen entstanden in den Jahren 1912-1914 ebenfalls nach Plänen des Zechenbaumeisters Ernst Hachmann eine Gartenstadt-Siedlung wie in der Forsthaussiedlung. Diese Siedlung hat ihren besonderen Wert durch unterschiedliche Straßenräume, einer Allee, einen zentralen Platz und einen Anger sowie den Wechsel von ein- und zweigeschossig bebauten Straßen. Die große Freifläche hinter den Häusern Schievenstraße und Steigerstraße war ursprünglich Gartenland. Zu fast jedem Haus existieren auch noch die ursprünglichen Ställe. Eine Besonderheit der Siedlung ist das Torhaus an der Schievenstraße.

Lageplan des Schievenviertels

Schievenviertel und Bismarck Siedlung waren die letzten von der Zeche selber gebauten Siedlungen.

1927 wurde der Ruhr-Lippe Siedlungsgesellschaft aus Dortmund die Bauerlaubnis zur Bebauung der Straßen Am Wildgatter  und Im Hirschwinkel  erteilt.
Die Straßen schoben sich an den noch unbebauten Teil östlich der Cranger Straße.
Die Wohnungen waren unterschiedlich groß. Die Spanne reichte von kleinen 2-Raum-Wohnungen bis zu 4-Raum-Wohnungen in 2 Geschossen mit kleinen Dachkammern.
Die Lindenhof-Siedlung , zu der auch der Klockenbrink  und der Timpenkamp  gehören, wurde 1950/51 angelegt, als die Neue Heimat im Auftrage Zeche ihre erste große Nachkriegssiedlung in Erle baute.
Graf Bismarck war der Auftrag- und Erbbaugeber (Erbpacht pro qm DM 0,06). Die Bergleute der Erler Schachtanlagen sollten die Wohnungen beziehen. Nach Stillegung der Zeche 1966 erwarb die Neue Heimat von der Texaco den Grund und Boden. Der fester Straßenausbau erfolgte nach Fertigstellung der großen Häuser 1952. Als erste Altbau-Siedlung in NRW wurde der Lindenhof 2002 zur Solarsiedlung umgebaut.

Lindenhof (Foto: inselfee )

Die Lehenstraße  und die Zehntenstraße  wurde in den Jahren 1953/54 von der GGW gleichzeitig bebaut. Es entstanden 104 Eigenheime als Ein- und Zweifamilien Häuser für Betriebsangehörige von Graf Bismarck. Auch hier gehörte zu jedem Haus ein eigener Garten. Für diese Häuser mußte man sich bei der Wohnungs Verwaltung der Zeche bewerben.
Der feste Straßenausbau war dann 1958 abgeschlossen und die letzten vergebenen Häuser waren bezogen.

Blick auf die Zehntenstraße und die Lehenstraße - im Hintergrund Weststraße und Schacht 2/6 

(Foto: Ruhr Nachrichten )

Neben den aufgeführten Siedlungen baute die Zeche noch viel mehr Häuser. Kinderverwahranstalten (Kindergärten), Berglehrlingsheime, Bergbauberufsschulen, Wohnheime und vor allem die Häuser für die höheren Zechen Angestellten, den sogenannten Steiger und Beamtenhäusern.
Solche Häuser wurde z.b. 1907 in der Wilhelmstraße  und der Hermannstraße gebaut.
Wie viele Häuser insgesamt in Erle gebaut worden sind (neben den Siedlungen) zeigen auch die Adressbücher aus Buer von 1910/1911 und 1922.

aus den Adressbuch Buer 1910/1911:
Bismarckstraße (Cranger Straße) 2a + 2b, 112, 125, 127, 129, 131, 133, 135
- zur Orientierung: Die Bismarckstraße fing damals erst an der heutigen Middelicher Straße an, das Erler Krankenhaus hatte die Hausnr. 78-
Friedrichstraße (Frankampstraße) 10, 36, 37,39,40,41,43,45
Kronprinzenstraße 39,41,42,44
Weststraße 9, 11,13,24,26,30,31,33,35,37,39,40,41,43,45,47,49,51,53,55
Wilhelmstraße 2a-2d,4,6,8,10,12,14,16,18,20
Ober Erle 22 Gebäude
Middelich Nr.6

aus dem Adressbuch Buer 1922:
Bismarckstraße 23,31,41,51,53,55,57,59,61,80
Friedenstraße 3
Friedrichstraße 23a,25,27,29,37,39,40,41,136
Grenzstraße (Middelicher Straße) 65,67,69,71,73,81
Hermannstraße 1 bis 47
Kirchstraße 11
Kronprinzenstraße 39
Mittelstraße 13
Surresser Straße 32,34
Weststraße 9.11,13,15,17,24,26,31,33,35,37,39,41,43 bis 65
Wilhelmstraße 70,72,74,78,80, 82 bis 108
Erle 82
Middelich (Einzelnummern) 6/1, 10

(Erklärung: ursprünglich gab es noch keine Hausnummern in den einzelnen Straßen, daher bekamen die Häuser fortlaufende Nummern nach der Fertigstellung (Haus Nr. 1 war zb. Schloss Berge). Daher sind in den o.a. Adressbüchern noch Ober Erle, Erle und Middelich aufgeführt)

Schlusswort:
Die meisten der von der Zeche gebauten Siedlungen und Häuser gibt es heute noch. Mittlerweile sind sie aber im Besitzt von Wohnungsbaugesellschaften oder wurden privatisiert.

Quellen: Hans Göbel - Die Straßen des Stadtteil Erle
Dr. Lutz Heidemann - Stadtprofile Werkssiedlungen

In alter und neuer Heimat, 1953, Herausgeber: Heimatbund Gelsenkirchen

Fotos: (c) Franz Weber und Privat,Denkschrift 50 Jahre Graf Bismarck
Bauzeichnungen und Pläne: Privat und Denkschrift 50 Jahre Graf Bismarck

Einen ausführlichen Bericht über den Wohnungsbau der Zeche Graf Bismarck habe ich bei den Gelsenkirchener Geschichten geschrieben

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Die Baufirma Scholtholt
Die Baufirma Scholtholt hat in zwei Generationen am Erler Stadtbild mitgebaut.
 Ein Abschnitt Erler Heimatgeschichte Ist mit dem Namen Scholtholt verbunden.

Der Gründer des Baugeschäftes, Johann Scholtholt, wurde 1857 in Emmelkamp bei Schermbeck als Bauernsohn geboren. In Gelsenkirchen trat er bei der damaligen Baufirma Zimmermann in die Lehre ein und blieb dort, bis er sich selbständig machte. 1895 kam er nach Erle, wohnte in der Darler Heide 36 und verlegte 1911 seinen Betrieb in die Brukterer Straße.

Im Jahre 1920 trat sein Sohn Wilhelm als junger Bauingenieur in den väterlichen Betrieb ein, den er am 1. Januar 1931 übernahm.

Unzählige Wohn- und Geschäftshäuser wurden zwischen 1895 und 1914 in Erle gebaut. In fast jeder Straße gibt es Häuser die von ihm ebaut wurden.

Fast sämtliche bedeutenden Gebäude in Erle, mehrere auch in Buer, wurden durch die Firma Scholtholt errichtet, so u. a. das St.- Elisabeth - Krankenhaus, das Josefsheim, die St.-Konrad- Kirche , mehrere Schulen. Auch der Kirchenumbau der St.-Barbara-Kirche wurde durch die Firma ausgeführt.

In Buer wurde in Arbeitsgemeinschaft mit der Firma Neukirchen der Lyceumserweiterungsbau durchgeführt. Das Servitenkloster in Buer und das städtische Sportzentrum an der Oststraße in Erle. Daneben entstanden natürlich ungezählte Wohnhäuser und Industriebauten. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß die Firma Scholtholt gleich nach dem „Tage X" 60 freifinanzierte Wohnungen erstellte.
Johann Scholtholt gehörte zu den angesehensten Bürgern von Erle. In zahlreichen Verbänden bekleidete er Ehrenämter. Er war in der Innung führend tätig, gehörte dem Kirchenvorstand an, war Mitbegründer der Feuerwehr. Sein Nachfolger Wilhelm gehört ebenfalls dem Vorstand der Innung an und ist Aufsichtsratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft des Baugewerbes Buer. Dank des unermüdlichen Fleißes von Senior-und Juniorchef entwickelte sich das älteste Erler Bauunternehmen auch zum größten des Stadtteils.

1984 musste die Firma Scholtholt Konkurs anmelden.