Es erinnert heute nichts mehr an den Tod der 21 Menschen, die am Rhein-Herne Kanal am 7. April 1946 bei einem Fährunglück ums Leben kamen.
Dort, wo seinerzeit das Unglück geschah, liegen jetzt am neu angelegten Rad und Wanderweg auf der Südseite zum Kanal Trümmerstücke der 1.Kanal-Brücke die von Erle nach Bismarck führte. Diese Trümmerstücke sind wohl bei Rodungsarbeiten im Jahre 2009 gefunden und dann dort abgelegt worden.

Das eines der Trümmerstücke tatsächlich von der alten Erler Brücke stammt, beweist dieses Foto.



Ein weiteres Teil, die Spitze eines der Pfeiler existiert auch noch.  Meine Recherchen haben ergeben, das dieser Teil des Brückenpfeilers auf dem Gelände des Aussenbezirks Herne des Wasser- und Schifffahrtsamtes Duisburg-Meiderich vor einigen Jahren abgestellt  wurde.



=====================================================================================

 

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Sonntag, dem 7. April 1946,
in der Stadt
die Kunde von einem entsetzlichen Unglück.
Die Kanalfähre an der Münsterstraße
in Bismarck war umgekippt und
hatte zahlreiche Passagiere ins
Wasser gedrückt und unter sich begraben.
In einem Zeitungsartikel beschrieb der
damalige Fährmann Karl May rückschauend
die Ereignisse:
„Auf dem Wildenbruchplatz war Kirmes
und Schalke spielte gegen Erle 08. Wir hatten außergewöhnlich schönes Wetter.
Gut 80 Personen mögen auf der Fähre
gewesen sein, als sie gegen 14.00 Uhr
vom Buerschen Ufer ablegte und ins
Schwanken geriet. Es entstand Unruhe.
Das Floß kippte zur Seite, alle Fahrgäste
stürzten ins Wasser. Das Bedienungspersonal
versuchte zu retten, was zu retten war.
Doch es gab keine Hilfsmittel. Rettungsringe
 wurden erst später angeschafft.
Das nächste Telefon war auf der
Cranger Straße in Erle. Bis die Feuerwehr
und die Polizei eintrafen, war es für
21 Männer, Frauen und Kinder zu spät. .."


(Quelle: "Gelsenkirchener Lesebuch" )


Zur Erinnerung an die 21 Menschen, die bei dem Fährunglück am 7. April 1946 ums Leben kamen :

Gottlieb Badziong
Franz Balzarek
Hans Balzarek
Ernst Baretti
Heinrich Bendler
Erich Benn
Sebastian Eisert
Maria Engel
Erich Funk
Josef Espey
Norbert Espey
Henriette Gilsau
Klemens Goebel
Egon Hettesheimer
Irmgard Sitz
Martha Kosiey
Michael Kositzki
Hermann Mai
Gertrud Schmich
Gottlieb Skeba
Heinrich Weiß


(ich Danke dem Institut für Stadtgeschichte (ISG), das für mich die Namen der Verunglückten recherchiert hat - ferner der Dreifaltigkeitskirche und dem Archiv der St. Urbanus Gemeinde)



____________________________________

Ferner teilte mir das ISG mit:

Nach dem Ihnen wohl bekannten Artikel der Westdeutschen Zeitung vom 7. April 1966 zum 20. Jahrestag des Unglücks (siehe unten) wird darauf hingewiesen, dass vom Ufer aus Retter sich um die Verunglückten bemühten. Den hilfsbereiten Menschen wurde die am Ufer des Kanals abgelegte Kleidung gestohlen. Ebenso wurden die Leichen der Opfer „gefleddert“. Diese menschliche Schlechtigkeit ist ein zentraler Bestandteile der damaligen Ereignisse, da sich hier die moralische Verkommenheit der nach-nationalsozialistischen Gesellschaft exemplarisch zeigt.Die Ursache des Fährverkehrs ist also letztlich eine Folge des von den Nationalsozialisten verursachten Zweiten Weltkrieges und der verbrecherischen Kriegsführung. Die nicht erfolgte Reparatur der Brücken ist naturgemäß auch eine Kriegsfolge. Insgesamt ist also die zerstörte Brücke ein Ort, der an NS-Verbrechen erinnert .
Zum Unglück selbst wurde auch in nachfolgenden Ermittlungen kein Schuldiger festgestellt.

 

Fotos: Sammlung Karl-Heinz Weichelt und (c) M. Westphal