==Geschichte der Kirche==

Während einer Versammlung in der Wiggerstiftung an der Cranger Straße kündigt Pfarrer Hoffmann die Gründung eines Seelsorgebezirks Berger Feld an und ruft zur Bildung eines Kirchbauvereins auf; dieser gründet sich am 18. Februar 1962.

Am 4. September 1962 entsendet Bischof Dr. Franz Hengsbach Kaplan Silver Kampmeyer ins Berger Feld mit dem Auftrag der Übernahme des Kirchbaus und der Seelsorge. 1964 billigt der Kirchenvorstand St. Barbara den von dem Architekten Dr. Paul Günther vorgelegten Finanzierungsplan für den Bau von Kirche und Pastorat. Im gleichen Jahr, am 25. Oktober 1964, erfolgt die Grundsteinlegung durch Herrn Dechanten Josef Dördelmann. 1966 wird die feierliche Einweihung der Kirche, die 376 Sitzplätze hat, durch Bischof Dr. Franz Hengsbach vollzogen.


==Ausgestaltung der Kirche==

Der Bildhauer Josef Baron aus Hemmerde bei Unna wird beauftragt, Entwürfe für den Altar, die Tabernakelsteele, das Hängekreuz, die Standleuchter und den Ambo vorzulegen.

Anstelle eines massiven Blockaltares entscheidet sich der Künstler für einen auf vier kräftigen Eckpfeilern ruhenden Altarstein als „mensa“ aus dem hellen, im Chorraum stets wiederkehrenden Ibbenbürener Sandstein. Die vier Pfeiler sind durch eine Bodenplatte miteinander verbunden. Die zwischen ihnen angebrachten Bronzegitter zeigen an den Senkrechten in stilisierter vornehmer Form Cherubinen und vermitteln so dem Altar das aussehen eines großen Schreines.

Das Hängekreuz ist in engem Zusammenhang mit dem Altar zu sehen: Es zeigt den etwas stilisierten Christus trotz der deutlich sichtbaren Wundmale nicht als Schmerzensmann, sondern als Triumphator. Insofern erinnert die Darstellung an die Auffassung aus der romanischen Zeit, nur hat der Künstler anstelle der Königskrone die Gloriole gewählt. Das Kreuz ist aus dunkler Mooreiche gefertigt.

Mit seiner linken Hand weist Christus – vom Betrachter aus rechts – auf den Tabernakel, dem Aufbewahrungsort des Allerheiligsten. Der Künstler hat ihn in eine Stele eingepasst. Der aus Bronze gearbeitete Strahlenkranz symbolisiert die Kraft, die von diesem im Verhältnis zur Großräumigkeit der Kirche kleinen Ort ausgeht. Die zwölf blauen Lapislazuli-Steine, in denen wir die zwölf Apostel zu sehen haben, und der helle Bergkristall als Christussymbol an der Vorderseite des Tabernakels sollen uns an die Einsetzung des hl. Altarsakramentes erinnern. Als besonders gelungen muss die Verbindung der Tabernakelstele mit der Unterbringung des Ewigen Lichtes gesehen werden.

Seine rechte Hand hält Christus zum Schwur erhoben. Diese Seite ist der Ort der Verkündigung in der Kirche. In seiner ausladenden Form ist auch der ganz aus Bronze gegossene Ambo so etwas wie ein Unikat. Das Relief an der Vorderseite nimmt Bezug auf das Wort Gottes. Es zeigt Christus als Sämann und Ähren als Zeichen der aufgegangen Saat. Im unteren Bereich des Ambos erinnert der Künstler daran, dass nicht alle ausgesäten Körner Früchte tragen.



Der Osterkerzenständer, ebenfalls vom Künstler Baron entworfen, weist eine starke Figürlichkeit auf. In drei Etage greift er drei Begebenheiten der Heilsgeschichte auf: unten die Anbetung der Könige, mittig den Kreuzestod und darüber die Auferstehung. In seinen Ausmaßen passt sich der Ständer gut der stattlichen Osterkerze an, die er zu tragen hat, und wirkt auf Entfernung wie der mystische Stamm jenes Baumes, an dem der Erlöser starb.



Zwei Mariendarstellungen, das Standbild, das anstelle eines Marienaltars links neben der Ostapsis Aufstellung gefunden hat, und die Marien-Ikone in der Seitenkapelle zieren die Kirche. Die Marienstatue ist eine süddeutsche Arbeit aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhundert; die Größe der Plastik (ohne Krone) beträgt 106 cm. Das Andachtsbild in der Seitenkapelle wird von Ricardo Schopper aus Odenthal-Altenberg geschaffen.

Der Kreuzweg ist nach den Entwürfen des münsterländischen Künstlers Willers von Heribert Cassau, Paderborn, in Bronze gegossen. Die einzelnen Stationen sind zirka 55 x 47 cm groß. Vorherrschend bei der Gesamtbetrachtung ist das Kreuz, das häufig die Begrenzung der Bronzeplatten durchstößt. Der Künstler hat das Geschehen jeweils auf das Wesentliche beschränkt und dabei eine rein gegenständliche Darstellungsart gewählt.

Auch der Taufstein in der hinteren Konche der Kirche, bestehend aus Bronze und Ibbenbürener Sandstein, wird vom Künstler Baron gestaltet. Eine Anpassung an mittelalterliche Taufsteine ist unverkennbar, wenn auch stark vereinfacht. So bleibt der Rand ganz ohne jeglichen figürlichen Schmuck, aber nicht ohne Ornamentik, die aus dem wechselhaft angebrachten halbrunden Auskerbungen besteht. Das Wellen-Relief des Bronzedeckels, in dem Christus und die Taube des Hl. Geistes erkennbar sind, erinnert an die Taufe Christi im Jordan. Zwei Felder des Deckels zeigen den Baum des Lebens.

Bereits nach wenigen Jahren kann eine behelfsmäßig aufgestellte Kleinorgel durch die Anschaffung einer endgültigen großen Orgel abgelöst werden: am 14. Januar 1973 wird die von der Firma Walker erbaute Orgel mit 18 Registern feierlich eingeweiht.

Die Kirchenfenster werden von der Künstlerin Hildegard Bienen aus Marienthal bei Wesel gestaltet.

Die Glasbetonfenster im vorderen Teil der Kirche sind von der Firma Donath aus Buer angefertigt und zeigen rechts das Opfer Christi und links das Opfermahl; die in der Taufkonche hinten entstehen bei der Firma Peters in Gladbeck und zeigen Symbole der drei Göttlichen und der vier Kardinaltugenden.



Gut zwanzig Jahre nach der Grundsteinlegung werden 1985 die Bleiverglasungen im Obergaden der Kirche eingesetzt. Die Ausführung besorgt die Firma Friederich aus Rotthausen; die Motive dieser Fenster stellen das Himmlische Jerusalem dar.



Die Kirchentüren werden ebenfalls von der Künstlerin Hildegard Bienen geschaffen. Die linke Tür versinnbildlicht das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen. Die Bronzetür der rechten Seite verdeutlicht uns die Begegnung Christi mit den zehn Aussätzigen.


==Geschichte der Gemeinde - Vorgeschichte==

Der Stadtteil Erle expandiert Ende der 50er Jahre durch das riesige Neubaugebiet im Berger Feld. Schon bald entwickeln sich Pläne, in diesem Ballungszentrum eine neue Tochtergemeinde zu gründen. Sie soll unter das Patronat des Hl. Suitbert gestellt werden, der als erster die Botschaft vom Gott der Christen in den Emscherbruch gebracht hatte. Am 18. Februar 1962 findet in der Gaststätte „Zur Pannhütte“ die Gründung des Kirchbauvereins statt.

 

==Die Pfarrer==


Pfr. Silver Kampmeier
Als Seelsorger für die neue Gemeinde beauftragt Bischof Dr. Franz Hengsbach den Kaplan von St. Barbara Silver Kampmeier zusätzlich mit dem Auftrag zum Aufbau dieses neuen Pfarrzentrums im Berger Feld. Schon am 9. Juni 1963 kann als erste Baumaßnahme der Kindergarten durch Dechant Dördelmann eingeweiht werden. Als nächste Baumaßnahme wird ein Jugendheim mit Pfarrsaal errichtet. Der Seelsorgebezirk wird am 15. September 1963 unter Pfarrvikar Kampmeier zur Expositur erhoben, am 1. Oktober 1964 zur selbständigen Rektoratspfarrei. Am 25. Oktober führt man Kampmeier in sein Amt als Pfarrer ein und legt gleichzeitig den Grundstein für die neue Kirche. Am 14. Mai 1966 feiert die Gemeinde mit Bischof Dr. Franz Hengsbach Kirchweihfest; Reliquien der Martyrer Felicitas und Clemens werden in den Altar gelegt.


Pfr. Albert Manderscheid
Im Oktober 1984 begrüßt die Gemeinde Albert Manderscheid als neuen Pfarrer. Am 2. Mai 1987 besucht Papst Johanes Paul II. unser Land, unsere Stadt und unsere Gemeinde. Im Parkstadion feiert er mit mehr als 80.000 Menschen Eucharistie. Im November 1994 verläßt Albert Manderscheid die Gemeinde.


Pfr. Erich Happe
Pfarrverweser wird Dechant Erich Happe aus St. Hippolytus in Horst. Ein Jahr lang leitet er die Geschicke der Pfarrei St. Suitbert neben seiner Aufgabe in Horst und im Dekanat.


Pfr. Alfons Heitkamp
Am 1. Oktober 1996 ernennt Bischof Dr. Hubert Luthe Pater Alfons Heitkamp zum neuen Pfarrer; er verläßt die Gemeinde am 31. Juli 1999.


Pfr. Ulrich Kosch
wird, zusätzlich zu seinen Aufgaben als Pfarrer von St. Barbara und St. Bonifatius, von Bischof Luthe am 1. August 1999 zum Pfarradministrator von St. Suitbert ernannt. Am 4. April 2000 findet im Pfarrsaal von St. Suitbert eine Sitzung aller Erler Kirchenvorstände statt. Man beschließt, die vier Erler Gemeinden aufzulösen und zu einer neuen Großgemeinde zusammenzuschließen. Am 31. Dezember 2000 endet die 36jährige Geschichte der Pfarrgemeinde St. Suitbert.

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aus der Festschrift zur Einweihung der St.Suitbert Kirche am 5. Mai 1966



Zu keiner Zeit ist in Deutschland mehr gebaut worden als in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Bedingt wurde diese Baubewegung durch die Kriegszerstörungen, durch den großen Nachholbedarf sowie durch den wachsenden Lebensstandard mit dem Wunsch nach einer moderneren und geräu­migeren Wohnung. Zum Bild der wiederaufgebauten Städte und der neuen Sied­lungen gehört auch der Kirchneubau.
Es ist bekannt, daß in Deutschland nach dem letzten Kriege mehr evangelische Kirchen gebaut wurden als in den vier Jahrhunderten nach der Reformation, und auf dem Katholiken-Tag 1956 wurde die Zahl der neuen fertiggestellten und im Bau befindlichen Kirchen allein in der Erzdiözese Köln mit genau 563 angegeben. In den beiden Dekanaten Buer und Horst sind nach 1945 ebenso viele katholische Gotteshäuser entstanden wie in der ganzen Zeit vorher.
Ganz unverkennbar stehen hinter dieser neuen Kirchbaubewegung auch neue seelsorgerische Überlegungen, nämlich die Verkleinerung der Pfarrbezirke.
Als im Jahre 1957 der Bebauungsplan für das Berger Feld entstand, war von vorn­herein klar, daß die seelsorgerische Betreuung der Bewohner nicht von der Mutter­gemeinde St. Barbara in Buer-Erle erfolgen konnte. Da für den evangelischen Bevölkerungsteil des neuen Stadtgebietes die gleichen Überlegungen galten, wur­den für das Neubauviertel zwischen der Heistraße und der Berger Allee ein evan­gelisches und ein katholisches Gemeindezentrum eingeplant.
Das Gelände für das katholische Pfarrzentrum war in dem Raum zwischen Spiekermannstraße — Surkampstraße — Pottenort sehr günstig gelegen und konnte im August 1961 auf Grund eines Grundstücktausches zwischen der Kirchen­gemeinde St. Urbanns und der Stadt Gelsenkirchen von der Mutterpfarrei St. Barbara erworben werden.
Zu diesem Zeitpunkt war der Plan, im Berger Feld zunächst eine Holznotkirche zu errichten, bereits aufgegeben worden. Wenn es im Berger Feld von Anfang an keine provisorischen Lösungen in bezug auf die Errichtung des Gemeindezentrums gab, so ist dies in erster Linie dem Eintreten von Herrn Pfarrer Hoffmann zu verdanken. Dem Kirchenvorstand von St. Barbara gebührt besonderer Dank dafür, daß er die Vor- und Vollplanungen der einzelnen Bauobjekte des Gemeinde­zentrums beherzt in Angrif nahm, obwohl er gleichzeitig mit dem lange geplanten Bau eines Gotteshauses für Erle-Süd, die inzwischen fertiggestellte St. Bonifatius­Kirche, beschäftigt war.
Als Herr Pastor Hoffmann im Januar 1962 zur Gründung des Kirchbauvereins „St. Suitbert" aufrief, lagen die Pläne für den Kindergarten und den Pfarrsaal mit dem Jugendheim bereits vor, und es konnte mit dem Baubeginn schon in naher Zukunft gerechnet werden.
Selten hat die Arbeit eines Kirchbauvereins unter so günstigen Voraussetzungen beginnen können. Mit viel Begeisterung für die große Sache gingen der Vorstand unter der sehr umsichtigen Leitung von Herrn Oberbergrat Dr. Koepe und die 24 Obleute an die Arbeit. Die im März 1962 einsetzende Werbung erbrachte einen Stand von 600 Mitgliedern, der im wesentlichen bis heute gehalten werden konnte. Es war für die junge St. Suitbert-Gemeinde, die mit der Einführung von Herrn Kaplan Kampmeyer im Sommer des Jahres 1962 einen eigenen Seelsorger be­kommen hatte, eine große Freude, als der Kindergarten als erster Bauabschnitt des Pfarrzentrums am Sonntag, dem 9. Juni 1963, im Beisein von Herrn Dechant Dördelmann und Herrn Oberbürgermeister Scharley seiner Bestimmung übergeben werden konnte.
Aber erst bei der Errichtung des Pfarrheims mit dem Jugendheim im Untergeschoß wurde der Kirchbauverein seiner Aufgabe entsprechend tätig.

Mit der Einweihung des Pfarrsaals am 7. September des gleichen Jahres, der als vorläufiger Gottesdienstraum eingerichtet wurde, war der zweite Bauabschnitt des Gemeindezentrums St. Suitbert bis auf die Inneneinrichtung des Jugendheimes beendet.
Zu der gleichen Zeit wurde der Auftrag zur Planung der St. Suitbert-Kirche an den Architekten Herrn Dr. Günther aus Gelsenkirchen-Buer vergeben, in dessen Händen auch die Bauleitung sowohl des Kindergartens als auch des Pfarrheims gelegen hatte. Die Grundsteinlegung im Oktober des Jahres 1964 fiel zusammen mit der Erhebung der Expositur Berger Feld zur Rektoratspfarrei und der Ein­führung des Rektoratspfarrers Silver Kampmeyer. in der Pausenhalle der nahen Theodor-Fliedner-Schule beging die Gemeinde diesen Tag mit Dankbarkeit und Freude.
Den Auftrag zur Ausführung der Maurerarbeiten erhielt der Bauunternehmer Herr Jöckel, selbst Gemeindemitglied der St. Suitbert-Pfarrei, und obwohl bei der Grundsteinlegung schon der Winter bevorstand, gingen die Arbeiten sehr zügig voran: Nach einem dreiviertel Jahr hing bereits der Richtkranz über dem Kirchneubau.
Etwa zum gleichen Zeitpunkt hatte der Kirchbauverein dank der Spendefreudig­keit seiner Mitglieder und dank dem rastlosen Einsatz der Sammlerinnen und Sammler den von der bischöflichen Behörde festgesetzten Anteil an den Bau­kosten erbracht. Seine weitere Aufgabe sah er von jetzt an in der Aufbringung der Mittel für die würdige Innenausstattung des Gotteshauses, die in ihrem künstlerischen Wert sowie in der gediegenen und dauerhaften Ausführung dem Baukörper selbst nicht nachstehen sollte.
Kirchbauverein und Kirchenvorstand waren sich darin einig, lieber einige Wünsche unerfüllt zu lassen, als um jeden Preis auf Kosten der Harmonie und der künstlerischen Gestaltung zum Einweihungstag eine komplette Inneneinrichtung zu prä­sentieren. Die Gemeinde kann sich glücklich schätzen, daß es gelang, zwei namhafte Künstler für die Innengestaltung des Kirchenraumes zu gewinnen: Frau Bienen aus Walsurn und Herrn Baron aus Hemmerde bei Werl. War es dem Architekten gelungen, mit den heutigen Mitteln und Baustoffen einen würdigen sakralen Raum zu schaffen, so sollte versucht werden, durch künstlerisch gestaltete Einrich­tungen, insbesondere im Chorraum sowie durch die leuchtenden Farben vorerst in den Fenstern der beiden Konchen dem Raum die rechte Weihe zu geben.
Die junge Suitbert-Gemeinde kann gewiß am Fest der Kirchweihe stolz sein auf das, was sie in vier kurzen Jahren geschaffen hat. Sie sollte aber die noch ver­bliebenen Aufgaben bezüglich der Innenausstattung mutig wie bisher in Angriff nehmen und sich erst zufrieden geben, wenn das Motiv der Opfertüten, das wir als Titelbild dieser Festschrift gewählt haben, Wirklichkeit geworden ist; das heißt, wenn sich die Glocken von St. Suitbert mit dem Klang der Glocken der Thomas-Kirche vereinen können zur Verkündung der Ehre Gottes im Berger Feld.


Der nun fertiggestellte Bau ist in seiner Ausführung das Ergebnis eines internen Wettbewerbs im Jahre 1963.
Da sich der Kirchenvorstand von St. Barbara für den Gelsenkirchener Architekten Dr. Ing. Paul GÜNTHER entschied, konnte die gesamte Planung des Pfarrzentrums mit dem Kindergarten, dem Pfarrsaal mit Jugendheim und mit der Kirche günstigerweise in einer Hand bleiben.
Herr Dr. Günther hat sich nicht nur durch den Bau neuer Kirchen wie „St. Mariä Himmelfahrt" in Buer, „Petrus Canisius" in Recklinghausen und neuerdings „Hl. Geist" im Schaffrath einen Namen gemacht, sondern vor allem durch die Renovierung der spätgotischen Propsteikirche in Bochum und der Dominikaner­kirche in Dortmund.
Zur Architektur unserer Kirche äußert sich der Architekt selbst folgendermaßen: „Der Grundriß der St. Suitbert-Kirche hat die Form eines Quadrates. An zwei seiner gegenüberliegenden Seiten sind geräumige Konchen angeordnet. In einer dieser Konchen steht der Hauptaltar. Die Bedeutung dieses Ortes wird durch zwei hohe, vom Boden bis zur Decke reichende Glasbetonfenster in farbiger Gestaltung besonders unterstrichen. In der rückwärtigen Konche befindet sich das Taufbecken frei im Raum stehend, so daß Platz genug bleibt, eine Familie oder eine größere Verwandtschaft um ihn zu versammeln.
Durch diese Anordnung von Altar und Taufstein sind im Kirchenraum klare Akzente gesetzt, wie zwei sich entsprechende Pole, gleichsam als Symbol des Wanderns zwischen dem Diesseits und dem Jenseits.
Der Chorraum liegt zwei Stufen höher als der Kirchenraum. Durch seine apsidiale Form schwingt er hinein in das Kirchenschiff und stellt so eine innige Verbindung zwischen Priester und Gläubigen zu einer Einheit dar.
Die Kirche hat 350 Sitzplätze. Einschließlich der Konchen hat sie eine innere Länge von 31 und eine Breite von 21 Metern. Die Höhe beträgt maximal 11,50 Meter. Das Bedachungsproblem wurde bei einer Breite von mehr als 20 Metern mit einem Faltdach unter Verwendung von Leimbindern gelöst. Die bewegte Unterschicht, die auf den Seiten der Längswände je drei große Dreiecksfenster umspannt, ist mit Brettern aus Red-Pine verschalt.
Der Natursteinfußboden in den Gängen und Konchen besteht aus Anröchter Dolomit, während sich unter dem Gestühl Asphaltplatten als fußwarmer Belag befinden. Die Innenwände sind mit handgeformten Ziegelsteinen vom Nieder­rhein verblendet.
Der Bau des Turmes erfolgt aus finanziellen Erwägungen zu einem späteren Zeitpunkt. Er soll in der Nähe der Straße „Am Pottenort" errichtet werden. Hier, wo die Surkampstraße einen horizontalen Visierbruch erfährt, wird er als optisches Signal innerhalb der Siedlung weithin sichtbar werden.
Erwähnt sei noch, daß die statische Bearbeitung durch Herrn Dipl.-Ing. Vogt erfolgte.
Ich fühle mich gedrängt, all denen an dieser Stelle meinen Dank zu sagen, die den Weg der Entwurfsarbeit mit wertvollem Gedankengut befruchtet und zum Gelingen des Bauwerks beigetragen haben.

 

Wenn am Tage der feierlichen Weihe der Kirche sich die betende Gemeinde zum ersten Male um den Altar versammelt, ist es mein Wunsch, daß dieser zu einer reichen Gnadenquelle für die junge Gemeinde St. Suitbert werden möge."

Mittelpunkt des christlichen Gotteshauses ist der Altar. Seiner wortkundlichen Bestimmung nach heißt Altar soviel wie „erhöhter Ort". Die Architektur unserer Kirche war von vornherein auf den Altar ausgerichtet, indem sie — nach alter Oberlieferung — den um drei Stufen erhöhten Ostchor für seine Aufstellung vorsah. Da in dem Chorraum noch neben dem Altar Ambo, Tabernakel und Priestersitz unterzubringen waren, sollte ein Künstler mit der Chorgestaltung beauftragt werden.
Wie schon erwähnt, konnte für diese Aufgabe der aus Schlesien stammende und jetzt in Hemmerde bei Werl wohnende Bildhauer Josef BARON gewonnen werden.
Von der Vielseitigkeit dieses Künstlers zeugen seine zahlreichen Arbeiten in der näheren und weiteren Umgebung: In der St. Michael-Kirche in Buer-Hassel be­findet sich eine Bronzetür von ihm, für das Priesterseminar in Essen schuf er die vier Engel vom Jüngsten Gericht, in Bad Hamm einen Kreuzweg. Chorraum­gestaltungen führte er unter anderem aus für die Wallfahrtskirche in Werl und St. Walburga in Meschede. Stationen seiner Ausbildung waren die Bildhauer­schule in Flensburg und die Düsseldorfer Kunstakademie, in der Professor MATARE sein Lehrer war.
Entsprechend der Neuordnung der Liturgie hat der Künstler in unserer Suitbert­Kirche den Tischaltar gewählt, der eine dem Volke zugewandte Zelebration er­möglicht.
Die Mensa ruht auf vier massiven Ecksäulen, die wiederum mit einer Bodenplatte verbunden sind. Als Material fand der Ibbenbürener Sandstein Verwendung. Aus dem gleichen Stein soll der Taufbrunnen gearbeitet werden, der in der West­apsis Aufstellung finden wird. Wegen Erkrankung des Künstlers mußte diese Arbeit sowie die Anfertigung von Ambo und Tabernakel vorerst zurückgestellt werden.
Die Fenster der beiden Konchen entstanden nach den Entwürfen der Künstlerin Hildegard BIENEN aus Walsurn und wurden in der Technik des Glasbetons von den Firmen Peters und Donat ausgeführt.
Für den Betrachter mag sich im Vergleich mit mittelalterlichen Fenstern ein neuer und ungewohnter Anblick ergeben: An die Stelle der bildhaften Darstellung tritt die symbolische. Die herrliche Leuchtkraft der Farben, vor allem bei der Sonnen­durchflutung, ist faszinierend, und dennoch ist es nicht nur die Farbe. Als zweite Aussagekraft kommt das Zeichen hinzu, das für die Wahrheit steht.
So erkennen wir deutlich in den sieben kleinen Fenstern der hinteren Konche Symbole der drei Göttlichen und der vier Kardinaltugenden: In der Mitte das glutende Rot der Liebe, das Kreuz des Glaubens und den Anker der Hoffnung. Ganz links steht das Quadrat als Bild für Zucht und Maß, daneben die Waage der Gerechtigkeit. Rechts neben den Göttlichen Tugenden versinnbildlichen die fünf Lampen die Klugheit — ein Hinweis auf die fünf klugen Jungfrauen — und schließlich das Schwert die Tapferkeit.
Die Chorfenster des Altarraumes haben das Mysterium, das sich hier vollzieht, zum Inhalt.
Das rechte Fenster erinnert in der Art seiner Darstellung an die Passionstücher, die mancherorts während der Leidenszeit in den Kirchen hängen. Hier ist das im unteren Drittel vorherrschende Violett als Farbe der P a s s i o n zu verstehen, worin jene Zeichen sichtbar werden, die den Leidensweg des Herrn markieren: Der Geld­beutel des Judas, dem einige Silberlinge entrollen, der Leidens-Kelch, von dem Christus am Ölberg betete: „Vater, wenn es möglich ist, so lasse diesen Kelch an mir vorübergehen". Die abfallenden Linien mit den roten Einsprenglingen künden vom Blute Christi, von dem die Juden schrien: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder". Im Bild darüber erscheint der Hahn, dessen Schrei Petrus an das Wort des Herrn erinnerte: „Ehe der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen". In diesem Feld tritt die violette Farbe zurück. Dafür vermehren sich die grauen Töne als Zeichen des Schmerzes und der Trauer. Davon sprechen auch Geißel und Dornenkrone. Darüber erhebt sich im obersten Feld das Kreuz, aber nicht mehr dunkel und klagend, sondern leuchtend weiß und golden als strah­lendes Zeichen von Sieg und Überwindung: „In ihm leuchtet uns die Hoffnung seliger Auferstehung".
Wenn im rechten Fenster das blutige Opfer Christi zur Betrachtung steht, so hat das linke die unblutige Gegenwärtigsetzung im Opfermahl zum Thema. Hier dürfen wir die violette Farbe wohl als Symbol der Erwartung und Bereitung deuten, vielleicht auch als das Erdreich, dem Ähre und Trauben entsprießen, jene Früchte, die in der Opferbereitung als unsere irdischen Gaben dem himmlischen Vater dargebracht werden. In der Eucharistiefeier werden in der Vergegenwärti­gung des Gründonnerstaggeschehens der Wein zu Christi Blut und das Brot zu Christi Leib. Davon künden in der Mitte des Fensters der Kelch, dessen Inhalt rot aufleuchtet, und das Brot auf goldener Patene. Die Beziehung dieser roten Füllung des Kelches zu den Blutstropfen als dem einzigen Rot des rechten Fensters ist offensichtlich. Aus der Höhe des Fensters aber strahlen uns in dem gelben Quadrat die Mauern des himmlischen Jerusalem entgegen. So dürfen wir das linke Fenster wohl als Symbol unseres irdischen Lebens nehmen: Verhaftet der Diesseitigkeit hoffen wir kraft des göttlichen Mysteriums auf den Glanz ewiger Herrlichkeit.
Sind die Glasbetonfenster in ihrer Aussage nur vom Innenraum her zu erfassen, so sollen die beiden Bronzetüren, die von derselben Künstlerin gearbeitet wurden, nach außen wirken.
Das sehr ausdrucksstarke Relief auf der Tür an der Männerseite zeigt Christus mit den zehn Aussätzigen. Auf der linken Tür sind die fünf klugen und die fünf törichten Jungfrauen zur Darstellung gebracht.

Während das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen schon im Mittelalter ein beliebtes und oft verwendetes Motiv war — zum Beispiel an den Domen zu Paderborn und Erfurt sowie an der ehemaligen Westpforte des Domes zu Münster —, ist die Begegnung Christi mit den zehn Aussätzigen bisher wenig dargestellt worden.
Das Thema der klugen und törichten Jungfrauen hat die Künstlerin schon einmal, an den Windfangtüren der Kirche in Marienthal, verwendet. Weitere Arbeiten von Frau Bienen befinden sich in St. Pius in Bottrop (Altarkreuz), Petrus Canisius in Recklinghausen (Glasfenster und Taufkapelle), St. Dionysius in Walsurn (alle Glasarbeiten), Osterfeld, Coesfeld, Xanten, Essen und in manchen anderen Kirchen der Umgebung.
Die schmiedeeisernen Apostelleuchter hat der Kunstschmied Friedemann WER­NER, ein Mitbegründer der Künstlersiedlung „Halfmanns-Hof" in Gelsenkirchen, für unsere Kirche gearbeitet. Die darunter befindlichen 12 Wandkreuze hat der Architekt Herr Dr. GÜNTHER entworfen. Wie bei Altar und Taufstein fand auch hier der Ibbenbürener Sandstein Verwendung.
Arbeiten von Herrn Werner, der die Kunstgewerbeschule in Wuppertal besucht hat und hier Schüler von Prof. LAUTERBACH war, finden wir in vielen Kirchen entlang des Hellweges: in den Propsteikirchen von Wattenscheid, Bochum und Dortmund, an Portal und Krypta des Patrokli-Domes in Soest und im Kreuzgang des Paderborner Doms.
Nach kurzer Lehrtätigkeit an der Essener Folkwangschule war der Künstler viele Jahre Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Dortmund.
Die Leuchter wurden von den Vereinen unserer Gemeinde gespendet und, wie die Fenster der hinteren Konche, von einzelnen Gemeindemitgliedern. Das mittlere Fenster stifteten die Kinder der von-Galen-Schule zum 20. Todestag ihres Namen­gebets Kardinal von Galen.
Der für alle Vorübergehenden gut sichtbare Grundstein ist das Werk des einhei­mischen Bildhauers Alfons KIRSCHBAUM. Von seiner Hand stammen viele Schöpfungen in den benachbarten Gotteshäusern: Der Kreuzweg in der Barbara-Kirche, der Altar in St. Bonifatius, eine Pieta in der Mariä-Himmelfahrtkirche und drei Holzfiguren in St. Ludgeri, um nur einige zu nennen.
Die Vielseitigkeit des Künstlers kommt sowohl in seinen Holzplastiken wie in der Bearbeitung des Steins zum Ausdruck. Zu seinen Lehrmeistern kann er so be­kannte Bildhauer wie MAZOTTI und BÄUMER zählen.
Als Material hat der Künstler im Falle unseres Grundsteins den sehr harten, aus dem nahen Ruhrtal stammenden Karbonsandstein gewählt und aus seiner Ober­fläche die folgenden Worte aus der Epistel des Christkönig-Festes herausgeschla­gen: DAS ALL HAT IN IHM SEINEN BESTAND.
Bei dieser Aufzählung der Künstler und ihrer Werke soll auch der Gelsenkirchener Gold- und Silberschmied Fritz KUHNE Erwähnung finden, dessen Kunst natur­gemäß weniger auffällig ist. Zwar hat er unter anderem den Tabernakel für die Herz-Jesu-Kirche in Resse gefertigt, aber meistens entstehen unter seinen Händen die kleineren liturgischen Geräte.
Für die St. Suitbert-Pfarrei hat der Künstler jenen Kelch gearbeitet, den die Gemeinde ihrem ersten Pastor am Tage seiner Ernennung zum Geschenk gemacht hat und mit dem nunmehr in der neuen Kirche das heilige Meßopfer dargebracht werden soll.
Da der Kelch das bedeutendste und älteste heilige Gefäß der Liturgie ist, hat er von je her im christlichen Kult eine besondere Rolle gespielt.
Durch die Gravierung der Symbole von der Geburt, dem Kreuzestod und der Auferstehung des Herrn in den Fuß des Kelches ist der Künstler der hohen Be­deutung dieses Gefäßes in besonderer Weise gerecht geworden. Die Form des Fußes wiederholt sich in dem Kelchbecher, als Knauf fand ein herrlicher Rosen­quarz Verwendung.
Ebenfalls aus der Werkstatt des Künstlers stammt das Pfarrsiegel, das auf der ersten Seite dieser Schrift zur Abbildung gekommen ist. Auch das Brustkreuz unseres Hochwürdigen Herrn Bischofs ist von Herrn Kuhne gearbeitet.

Fotos: Festschrift der Gemeinde, Privat und  (c) M.Westphal

Zwei kurze Filme zu St. Suitbert findet ihr Hier:

Die Weihe von St. Suitbert am 14. Mai 1966 und Kommunion am 25. Juni 1967