Die Thomaskirche in der Surkampstraße

Die evangelische Thomaskirche wurde auf einem auf die Spitze gedrehten quadratischen Grundriss errichtet und setzt mit ihrer schiffsbugartigen Form einen städtebaulichen Akzent im Straßenraum der Vorortsiedlung. Sie korrespondiert mit der nahezu zeitgleich in derselben Straße errichteten katholischen Kirche St. Suitbert.
Die äußere und innere Gestaltung wurde auf geometrische Grundelemente – insbesondere das Dreieck – reduziert. Das Dach erweckt den Eindruck eines über dem Sakralraum aufgespannten Zeltes. Der nahezu schmucklose Innenraum orientiert sich auf den schlichten Altar, um den sich die Sitzbänke gruppieren. Mit dieser Ausrichtung verdeutlicht die Kirche den Wandel von der "triumphierenden Kirche" hin zur "Wohnung für die Gemeinde".
Ein hinter dem Altar befindliches Wandrelief in Form eines stilisierten Kreuzes, gestaltet vom Künstler Heinz Nickel, wird indirekt von oben durch eine schlitzartige Aussparung im Dach belichtet. Entlang der Seitenwände wird der Raum durch ansteigende Fensterlamellen erhellt. Im Gegensatz zum lichten Innenraum der Kirche steht der vollkommen in schwarz gehaltene Eingangsraum.

Architekten:  Fred Janowski - Albrecht Wittig

Quelle :   Stadt Gelsenkirchen | Referat Stadtplanung

 

Obwohl sie noch recht jung ist, gehört die evangelische Thomaskirche  gehört architektur- und liturgiegeschichtlich zu den bedeutenden Kirchen Westfalens. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Gotteshaus jetzt zum Denkmal des Monats April gekürt. Nach dem Wohnungsbau gehörte der Bau von Kirchen im Nachkriegsdeutschland zu den wichtigen Aufgaben: Zerstörte Kirchen, die zuvor Wahrzeichen ihrer Stadt oder Gemeinde waren, wurden wieder aufgebaut. Außerdem entstanden in den Erweiterungsgebieten der Städte für die ab 1950 rasch wachsende Bevölkerung viele neue Kirchen. 'Hier ist die in der Zeit von 1963 bis 1965 nach den Plänen der Architekten Albrecht E. Wittig aus Marl und Fred Janowski aus Gelsenkirchen gebaute Kirche mit ihrem bugförmigen Chorturm besonders hervorzuheben. Ihre markante Gestalt setzt einen eindrucksvollen städtebaulichen Akzent', so LWL-Denkmalpflegerin Dr. Marion Niemeyer-Tewes. Die Architekten haben auf die historische Kirchenbauform verzichtet. 'Stattdessen dokumentierten sie mit einer strengen, klaren Geometrie anschaulich den Bedeutungswandel des Sakralbaus in den 60er Jahren weg von der 'triumphierenden Kirche' hin zur 'Wohnung für die Gemeinde'. Das kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass die Kirche eine zentrale Bauform hat, bei der die Gläubigen den Altar an drei Seiten umschließen', erklärt Niemeyer-Tewes. Die Grundbedürfnisse der Zeit nach Schutz, Festigkeit, Geborgenheit und Beständigkeit im Glaube würden in der Kirche vor allem durch den Zeltcharakter der Decke und die bugartige Gestalt des Chorturmes anschaulich ausgedrückt, so die Expertin des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege weiter. Die Taufe, der Kanzelaltar und das monumentale Kreuzrelief der Altarwand, die das liturgische Zentrum des Gotteshauses bilden, werden durch die indirekte Oberlichtbeleuchtung wirkungsvoll hervorgehoben. Taufe, Altar und Kanzel sind sehr nah bei einander angeordnet. 'So dokumentieren sie die Abkehr vom reinen Predigtcharakter der evangelischen Liturgie, die Wort und Sakramente inzwischen als gleichwertig ansieht', erklärt Niemeyer-Tewes die liturgiegeschichtliche Bedeutung der Thomas-Kirche.

 

Fotos: (c) M.Westphal