Kirmes in Erle


(c) Lothar Lange

Kumma!
Auf´m Erler Markt is Kirmes.
Hamse bis gestern aufgebaut.
Mit Selbstfahrer-Autos. Die kannze selber lenken.
Weisse watt?
Ich tausch Bierpullen um,
dann kann ich n´paarmal damit fahrn.

Kumma!
Dat Schild da:
„Junger Mann zum Mitreisen gesucht.“
Boh, überleech ma:
da kannze jeden Tach umsonz fahren.
Weisse watt?
Die Großen ham´et gut.

Kumma!
Dat Pony-Karussell.
Stinkt nach Sägemehl und Pferdekacke.
Immer inne Runde bei dem lauten Kirmesgedöns.
Weisse watt?
Die Klepper werden doch rammdösig.
Is auch mehr watt für kleine Blagen.

Kumma!
Der Besoffene da:
der schmeißt´n Tacken innen Boxautomat.
Gezz kloppter auf dat Leder.
Wat sacht der Zeiger? FLIEGENGEWICHT.
Weisse watt?
Der hat nix inne Mauken.

Kumma!
Die Fellerhoff-Raupe!
Hat die ´n Zacken drauf.
Hömma: dat is Rock´n Roll.
Weisse watt?
Wenn dat Verdeck zugeht,
knutschen die Großen immer mit ihre Weiber.

Kumma!
Ich schleich mal unter die Raupe.
Vielleicht hat einer watt Geld verlorn
von oben durche Holz-Ritze.
Weisse watt?
Wenne auch nix findes,
kannze dafür die Schicksen untern Rock gucken.

Kumma!
Meine große Schwester.
Mitten Lebkuchenherz.
„Für immer Dein“
Weisse watt?
Dat hat die vonnem Itacker.
Den kennt´se vonne Eisdiele.

Kumma!
Die Schießbude.
Dat soll ja Beschiß sein.
Die haben die Knarren extra krumm gemacht,
datte nich triffs.
Weisse watt?
Probiern würd ich dat ja mal.

Kumma!
Die Selbstfahrerautos von Biermann.
„Einsteigen und Platz nehmen
zu einer neuen lustigen Autofahrt“
Weisse watt?
Datt könnt ich den ganzen Tach.
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Wenn ich gezz ne Mark hätte...


 

Erler Platt

Lernen's Erler Platt, oder können's schon,
dann brauchen's nur ein paar Tage in Erle zu woh'n.
Wenn sie dann fleißig spazieren tun geh'n,
können's beizeiten auch alles versteh'n.
Dann brauchen's keinen Dolmetscher mehr,
Erier Platt ist ja gar nicht so schwer.
Pennen heißt schlafen und krampfen heißt klau'n

Schicksen sagt man zu ledigen Frau'n
Karo heißt Brot und Korrek die Sau
Mattka ist eine verheiratete Frau
Polente ist die Polizei
Erler Platt lernt sich ganz nebenbei.
Maloche ist Arbeit und Pinunsen das Geld
Kabitschko, wenn du was auf Raten bestellst
Fresse sagt man zu deinem Gesicht
und Duppa, wenn man vom Gegenteil spricht
Die Pofe ist schließlich das Bett


Erler Platt ist doch wirklich ganz nett.


Karre heißt Fahrrad und Schnauze der Mund
dofte ist schön und Keiloff ein Hund
Mottek ist Hammer und Zossen das Pferd
possieren ist, wenn man mit Fräulein verkehrt
Eine Kröte entsteht dann aus dem Verkehr


Erler Platt ist doch wirklich nicht schwer.


Schucken heißt zahlen und Keif der Kredit
Schafele, das ist eine Flasche mit Sprit
Knarre nennt man hier das Gewehr
sogar Krimken ist ein Kriminal-Kommissar
Der Ossnick ist schließlich die Uhr
so spricht man in Erle bei Buer.
Pelle heißt Anzug und Bombe der Hut
Treter sind Schuhe und Braß ist die Wut
Knast heißt Gefängnis und Schwofen der Tanz
Kossa heißt Ziege und Frannek der Franz
Der Barras ist das Militär


Erler Platt ist gar nicht so schwer.


Barini ist Süßwein, Halber Liter das Bier
Dir heißt Dich und Dich heißt Dir
Mit Schoppen ist immer nur Fusel gemeint
und Kumpel sagt man zu seinem Freund
Bandonitzka nennt man das Schifferklavier
Die Sprache lernt man dich spielend hier.
Lorenz ist der Mond und Hugo die Kippe
Rotzbremse ist der Schnäuzer auf Oberlippe
Geh mich von Schuppe heißt: Bitte, geh weg
Buch ist ein Schmöker und rotzig ist frech
Komm bei mich bei, heißt: Bitte, komm her
Erler Platt ist ja wirklich nicht schwer.
Das Fußballspielen wird hier nur pöhlen genannt
Flosse oder Pfote, das ist deine Hand
Zinneck ist schließlich ein männliches Kind
für Nase das Wörtchen Gurke man find'
Und nimm noch ein paar Worte mehr


Erler Platt ist ja wirklich nicht schwer.


Plotteck heißt Messer und Sense die Feier
Jeikas, so nennt man in Erle die Eier
Sieht man einen Mann bei 'nem Mägdelein steh'n
so sagt man. Der ist auf die Strebe am geh'n
Wer diese Worte beherrscht wie geschmiert

Der hat sich in Erle akklimatisiert.

(Der Autor des Erler Platt ist leider unbekannt)

Der Ritter von Darl
Aus Sagenhaftes Ruhrgebiet


Die (auf Haus Darl liegenden) schweren Lasten waren der Beginn des Fiaskos.« Rudolf Brock, 1960

Die Burg Darl im Kirchspiel Buer schaute trotzig und finster ins Land. Auf ihr hauste der Ritter von Darl, ein verwegener Bursche, dessen wettergebräuntes Gesicht ein rabenschwarzer Bart umrahmte, dessen knochige Faust stets auf dem Schwertknauf lag, dessen kaltes und hartes Auge verriet, dass er Mitleid und Erbarmen nicht kannte. Der Wilde reitet zum Burgtor hinaus, und das grimmige Doggenpaar stürzt vor ihm her. Die Hühnerschar, die auf der Wiese des Kötters Nahrung suchte, und die Enten, die im binsenumwachsenen Kolke (Teich; D. S.) badeten, flogen erschreckt auf, um auf der nahen Tenne Schutz zu suchen. Doch ehe sie diese erreicht, liegen die beiden besten Hennen erwürgt am Boden. Der Bauer, der von der Tenne aus zugesehen, ergreift hastig das Beil, ein Schlag, und einer der Würger bezahlt seine Tat mit dem Leben. Doch im selben Augenblicke hält der gefürchtete Ritter auf schnaubendem Rosse vor dem Bauer. »Das sollst du mir büßen, verfluchter Schelm!«, knirscht er und lockert sein Schwert in der Scheide. Totenbleich sinkt der Kötter in die Knie und fleht händeringend um Christi willen um sein Leben. Steine lassen sich erweichen, doch das Herz des Ritters kennt kein Erbarmen. Ein wohlgezielter Hieb zerschmettert dem Ärmsten das Haupt, sein Blut färbt das grüne Gras blutigrot. Der Ritter sprengt dann, als wäre nichts geschehen, den düstern Burgweg hinan.

Vier Tage später. Es ist der Tag des Herrn, an dem Pflug und Egge ruhen. Die Totenglocke ertönt, und auf dem Friedhofe wird der erschlagene Bauer zur ewigen Ruhe gebettet. Die ganze Gemeinde umsteht das offene Grab. Zur selben Stunde aber sprengt der Ritter von Darl mit seinen Knappen in den dunklen Wald. Sie wollen einem reichen Kaufherrn auflauern und ihn und sein Gut als willkommene Beute in das Burgverlies schleppen. Im dichtesten Gehege springt das Ross des Ritters plötzlich zur Seite und bäumt sich hoch auf; am Wege steht eine bleiche Gestalt mit blutigem Hals und Latz! Der Ritter erkennt den erschlagenen Kötter, und ihm, den sonst keiner schrecken konnte, klappern die Zähne. Dem edlen Ross drückt er die Sporen in die Weichen, dass es wie wild davonspringt und der Knappe kaum folgen kann. Da kreuzt ein großer Bienenschwarm den Weg und setzt sich nieder auf Mann und Ross. Die Pferde rasen dahin in Sturmeseile durch Busch und Dorn. Am Abend kehrt der Knappe heim, blutüberronnen und ohne seinen Herrn. Die Dienerschaft begibt sich sofort auf die Suche, und bald erfasst Grausen die Sucher: Der Ritter von Darl hängt entseelt am Ast, seine Haare sind fest um den Wipfel verknüpft. In grauer, sternloser Nacht trug man den Ritter heimwärts. Nun traf ein Unglücksschlag nach dem andern das stolze Haus, und ehe ein volles Jahrhundert entschwunden war, zog die letzte Burgfrau mit ihren Kindern als Bettlerin ins Land hinaus. Den Eschenbaum, woran der Ritter gehangen, zeigten die Bauern noch lange. Doch jetzt kennt man die Stelle, wo er gestanden, nicht mehr.

Eine andere Fassung dieser Sage lautet: Eines Tages rief der kühne Dankwart von Darl seine Gesellen zur Jagd. Sein Diener bat ihn inständig, davon abzulassen; denn zum neunten Male jährte sich der Tag, seitdem er den armen Bauern erschlagen und dieser ihm sterbend geflucht habe. Jahr um Jahr hat Ritter Dankwart an diesem Tag durch Unglück einen seiner sieben Söhne verloren oder ist von anderen schweren Unfällen betroffen worden. Der wilde Jäger hört nicht auf die Mahnung des treuen Dieners und stürmt zur Jagd. Da streckt ihm plötzlich am Waldweg ein Bettler die bittende Hand entgegen. »Da, deinen Bettelsold!«, ruft der Ritter und wirft ihm ein Geldstück in den Hut. Das Geld durchbrennt aber den Hut, fällt zischend auf die Erde; riesengroß wächst gleichzeitig der Bettler empor und verflucht den Mörder. Der Begleiter des Ritters wird von einem plötzlich niederfahrenden Blitz und Donner betäubt. Als er wieder zu sich kommt, sieht er die Leiche Dankwarts zwischen zwei sich gabelnden Ästen hängen. Das Pferd war unter ihm weggerannt. Diese Unglücksstelle in der Nähe des Emscherbruchs heißt noch heute »Im Hangen«.
Anmerkung

Die Herrn von Darl, 1362 erstmals urkundlich erwähnt, belagerten 1617 erfolglos Haus Balken. Finanziell angeschlagen, mußten sie 1657 Haus Darl an Ludolf von Boenen auf Haus Berge verkaufen, wohnten aber weiterhin auf dem Rittersitz. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts versuchte ein verarmter Herr von Darl, noch immer als Besitzer aufzutreten. Es kam zu Schwierigkeiten, da dieser nach Gutdünken bei den Bauern der Nachbarschaft Holz fällte und nach Belieben in den umliegenden Wäldern auf die Jagd ging. Der vormalige Herr soll getobt haben, als der Gerichtsvollzieher erschien, um ihn vor die Tür zu setzen. Man habe ihm buchstäblich das Haus über den Kopf abbrechen müssen. Möglicherweise hat der zweifelhafte Lebenswandel dieses letzten Herrn von Darl auf Haus Darl zum Entstehen der Sage beigetragen. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass angeblich ein Ritter von Darl bei einem Ausritt in einen Forst umkam. Sein Kopf habe sich, nachdem sein Pferd gescheut hatte, in einen niedrigen, gegabelten Ast verfangen.

Quelle: http://www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de/Der_Ritter_von_Darl

Der Hexentanzplatz
(aus: Sagenhaftes Ruhrgebiet)

In der Bauerschaft Surresse, südöstlich von Buer, erzählten sich ehemals die Leute, daß in der Walpurgisnacht die Hexen unter einem großen Baum auf Schwanen Wiese tanzten. In der Mitternachtsstunde war hier ein Springen, Stampfen und Geschrei zu hören Der Teufel stand im Kreis tanzender Hexen und stieß mit der Teufelsgeige den Takt dazu. Diese Geschichte erzählte man sich auf den umliegenden Höfen, wenn man abends am Herdfeuer zusammensaß. Auf dem Hof Lindgen war ein Knecht, der unbedingt sehen wollte, ob das Gerede vom Hexentanzplatz stimmte. Alle rieten ihm ab, Zeuge des mitternächtlichen Treibens zu werden, Er blieb aber bei seiner Absicht. Eine Magd schlug ihm vor, die Jackentaschen mit Salz zu füllen, damit er bei einer Entdeckung den Hexen und Satan Salz in die Augen streuen könnte.

Am Vorabend von Walburgis schritt der Knecht zur Tat. Er ging trüb genug zur Wiese »in der Gallwie«, kletterte auf den Baum und ließ sich auf einer Astgabel nieder. Den Platz hatte er sich schon vorher bei heimlichen Besichtigungen ausgesucht. Lange mußte er warten, bis die Mitternachtsstunde kam. Die Luft hatte sich abgekühlt, und er wurde steif auf seinem unbequemen Sitz.

Da schlug es Mitternacht von den umliegenden Kirchtürmen in Buer, Westerholt und Herten. Kaum waren die Schläge der Turmuhren in der Nacht verklungen, stellten sich die Hexen ein. Sie lehnten ihre Besen an den Baumstamm und begannen mit dem Tanz. Als der Teufel kam, wurde er mit Jubel begrüßt. Er war der Tanzmeister und gab den Takt mit dem Stab der Teufelsgeige an.

Inzwischen war ein kühler Wind aufgekommen, den die Tanzenden als angenehm empfanden; der Beobachter oben im Baum aber fror. Er spürte, daß er niesen mußte, versuchte aber, es zu unterdrücken. Das gelang ihm nicht, und als ein lautes »Hatschi!« erklang blieben plötzlich alle Hexen stehen und starrten nach oben. Auch der Teufel faßte den jungen Mann ins Auge. Ein furchtbares Schreien und Kreischen erscholl. Es löste seine Starre, die nach dem Schrecken eingetreten war. Der Knecht griff in seine Taschen und warf Salz herunter. Ein Geheul stieg auf, und schon versuchten einige Hexen, den Stamm zu erklimmen.

In diesem Moment kam die Rettung! Von St. Urbanus in Buer, St. Martinus in Westerholt und St. Antonius in Herten schlug es ein Uhr. Schreien, Wirbel, Entsetzen herrschten unter dem Baum. Im Nu war der Spuk vorbei. Es dauert einige Zeit, bis der Knecht in der Lage war hinunterzusteigen. Nie wieder würde er einen Hexentanzplatz betreten, das schwor er sich!
Anmerkung

Hexentanzplätze, Treffpunkte der Hexen in der Walpurgisnacht, in der Nacht zum 1. Mai gab es nicht nur auf dem Brocken, dem höchsten Berg im Harz (l142 m), der auch Blocksberg genannt wurde. Diese volkstümliche Bezeichnung bedeutete »Berg mit feuchter Wiese, mit Moor«. Solche Plätze in Wald-, Heide- und Moorgebieten hatten vermutlich eine alte heidnische Tradition. . Aber auch an Wegkreuzen und Richtstätten lagen die Tanzplätze der Hexen. Die letzteren galten allgemein als schaurige Orte, die von den Bewohnern gemieden wurden. In Recklinghausen gab es an den Grenzen der städtischen Feldmark solche Richtplätze (Feldmark bezeichnet die Fläche sämtlicher einer Gemeinde zugehöriger Äcker, Wälder etc.). Sie lagen zum Beispiel Am Segensberg in Recklinghausen-Hochlar. Die Gallwie an der Gallwiestr. in Gelsenkirchen-Erle war eine sumpfige Wiese am Zusammenfluss zweier Bäche.

Die heilige Walburga, Äbtissin (+ 779), aus England stammend, hat nichts mit Hexen und ihren Tänzen zu tun. Ihr Todestag und zugleich ihr Namensfest ist der 1. Mai. Die obengenannte Walpurgisnacht ist die Nacht zum 1. Mai – die Mainacht. Diese Nacht war vermutlich ehemals die Zeit für Vegetationsriten = feierliche Zeremonien bei einem vorchristlichen Frühlingsfest, bei dem man um Wachstum und Gedeihen der Feldfrüchte bat. Das junge Christentum hat solche Riten aufgefangen, indem es Gebete, Weihen, Gottesdienste und Prozessionen mit der gleichen Intention schuf, aber in christliche Formen kleidete.

Hof Lindgen, seit 1947 Hof Drießen wurde schon 1472 beurkundet und war vormals dem Haus Leithe in Gelsenkirchen-Erle, Middelicherstr. 72 abgabepflichtig. Der heute noch bewirtschaftete Hof liegt am Osterkampsweg 31 und weist keine historische Bausubstanz mehr auf. Die 1893 im neu-gotischen Stil errichtete St. Urbanus-Kirche liegt in Gelsenkirchen-Buer an der Marienstr. , an der Stelle ihres Vorgängerbaues. Die schon 1310 beurkundete und im gotischen Stil errichtete alte St. Martinus-Kirche befindet sich in Herten-Westerholt an der Freiheit. Interessant ist ihr separat stehender, efeuüberwucherter und zur Hälfte abgebrochener Bruchsteinkirchturm. Das Gebäude ist nur von außen zu betrachten und beherbergt die Grabstätten der Grafen von Westerholt. Die 1884 im neu-gotischen Stil errichtete St. Antonius-Kirche liegt in Herten an der Antoniusstr. Die Urbanus- und Antoniuskirche hatten ältere Vorgängerbauten, sind meist geöffnet und beherbergen katholische Gemeinden. An die ehemalige Bauerschaft Surresse erinnert die Surressestr. in Gelsenkirchen.

Quelle: http://www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de/Der_Hexentanzplatz